Uwek - Wolga Troja
15 февраля 2013 12:06

Uwek - Wolga Troja

OFF:

Es weht über goldene Steppenweiten durch wilde Gräser ein stolzer Wind. Und geküsst wurde von diesem Wind eine stolze Stadt, deren Name vor Zeiten Ukek war. Und wärmte die Stadt die helle Sonne. Und wurde sie von schnellen Strömen umspült. Und ihr ewiger Hüter war das blaue Firmament.

Dmitrij Kubankin:

Also, wir sind augenblicklich am südlichen Stadtrand Saratows. Wenn man hier von oben hinabsieht, so sieht man die Siedlung Uwek. Das ist eigentlich der Ort, wo einst, genauer gesagt, im 13.-14. Jahrhundert die Stadt der Goldenen Horde Ukek lag. Und nun sehen Sie hier etwas entfernt die Eisenbahnbrücke. Das ist eben der Ort, wo sich im 13.-14. Jahrhundert wahrscheinlich die Übergangsstelle von der Stadt Ukek in das Hauptquartier des Khans von der Goldenen Horde befand.

Aleksej Malyschew:

Das erste Mal wurde Uwek in der Botschaftermeldung von Wilhelm Rubruk erwähnt. Er schrieb, dass Khane am Ufer der Wolga eine Siedlung mit russischer und islamischer Bevölkerung gegründet hatten. Ihr Ziel war, Botschaften, Karawanen über den Fluss zu schaffen. Späterhin hatten von Uwek zahlreiche arabische, persische und ägyptische Geographen und Historiker sowie Reisende geschrieben.

OFF:

Ruhmbedeckt war die Stadt Ukek, ruhmvoll waren ihre Bewohner. Völlig widmeten sie sich ihrem Handwerk, teilten miteinander die Güter ihres Lebens.

Aleksej Malyschew:

Uwek wurde von Vertretern verschiedener Völker besiedelt, die von Mongolen in der Zeit der Eroberungen aus unterschiedlichen Weltregionen hierher verschleppt wurden. Die Menschen kamen aus Mittelasien, Nordkaukasus, Mordowien sowie aus russischen Fürstentümern und dem einstigen Wolgabulgarien. Bemerkenswert ist, dass die Bevölkerung von Uwek wesentliche Unterschiede von den Vertretern der Stammesgenossen aus anderen russischen Fürstentümern aufweisen konnte. Sie fiel durch ihren Gesichtskreis, kulturelle Besonderheiten auf. Die Bewohner von Uwek waren vermutlich mit Sprachen und Kultur verschiedener Völker bekannt, die Uwek besiedelten, darunter mit Turken, Mongolen. Man nimmt an, sie beherrschten die alanische Sprache und das Griechische.

Dmitrij Kubankin:

Die Eigenheit der Stadt Ukek besteht unter anderem auch darin, dass die multinationale Bevölkerung einen großen altrussischen Anteil hatte. Sein Status bedarf aber noch einer besonderen Erforschung. In der früheren Forschungsetappe war die Meinung üblich, dass es hauptsächlich Sklaven waren. Schriftlich überliefert ist, dass die Khane wiederholt verwüstende Kriegszüge in der Rus unternahmen und viele Sklaven gefangengenommen hatten. Unsere Ausgrabungen in Uwek und andere prähistorische Denkmäler sprechen dafür, dass viele Uwek-bewohner, die aus der Rus stammten, überaus reich, wohlhabend waren. Fundsachen auf dem Ruinenfeld im Sommer 2012 zeigen, z.B., den Wohlstand eines aus der Rus gebürtigen Menschen: vergoldetes Geschirr aus Syrien, Bernsteinschmuck und anderes. Das war eindeutig kein Sklave.

OFF:

Es brachte der Wind die Gebete in die Höhe, über die Wolken. Und unter den Wolken lebten Menschen, glaubten an verschiedene Götter, beteten zu ihnen in den Sprachen, die einander nicht gleich waren. Und standen den Menschen ihre Götter in all ihren Taten bei, beschützten sie vor Unglück und bösem Ungemach.

 Aleksej Malyschew:

Die Obergottheit der mongolischen und Turkvölker war Tengri – der ewige blaue Himmel, der Schöpfer des Weltalls, der Herrscher des Daseins, der Gönner der Machthabenden. Tengri hatte als Guter, Frommer die Welt geschaffen. In der Vorstellung der Mongolen stellte Tengri als einen Reiter oder bewaffneten Krieger dar – so einen Gebieter über die Schicksale der Welt. Außer dem Tengrikults hatten die Mongolen auch andere Götter zur Anbetung. Andere Religionen wurden auch zugelassen, und christliche, islamische, buddhistische Geistliche waren nicht steuerpflichtig. Wesentlich war die Öbrigkeitshörigkeit, nicht das Glaubensbekenntnis.

Dmitrij Kubankin:

2010-2011 wurde von uns in vorhistorischer Siedlung Uwek ein christlicher Tempel entdeckt. Das steinerne Gebäude mit orthodoxem Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens von orthodoxer Bevölkerung. Kleine Heiligenbilder, Leibkreuzchen, die früher in Uwek oft gefunden wurden, bestätigen endgültig die Annahme, dass es in Uwek mindestens einen orthodoxen Tempel gab. Schriftliche Denkmäler zeugen davon, dass es in der Stadt eine Mission der Franziskaner-Minoriten gab; das war eine Ordensgemeinschaft der römisch-katholischen Kirche.

OFF:

Grenzenlos war Ukek, die Stadt ohne Mauern. Geschützt wurde sie vom Wind, der unter furchtgebietenden Horden wehte. Stark waren sie, tapfer und kühn; geborgen, beschützt war Ukek von den Kriegern.

Dmitrij Kubankin:

Es gab also keine Mauern. Sehen Sie, es liegt auf der Hand: wenn die Stadt als eine Festung gebaut worden wäre, so sollte Ukek auf einem Berg liegen. Es liegt aber unten im Tal. Die Mongolen scherzten: Mauern errichtet nur der, der vor jemandem Angst hat. Ukek brauchte sich also vor niemandem zu fürchten. In der Umgebung wanderten Nomaden, die mit den Stadtbewohnern befreundet waren, und selbst also eine Art mobile unbesiegbare „Mauern“ darstellten. Deswegen hatte Ukek keine ständigen Befestigungen und konnte schnell wachsen und sich ausbreiten. Dadurch ist seine große Fläche zu erklären.

Aleksej Malyschew:

In der Goldenen Horde lagen in der Umgegend der Städte große Nomadenlager der Turkvölker. Der landwirtschaftliche Umkreis versorgte die Stadt mit Nahrungsmitteln. Es ist bekannt, dass um die Gutshöfe einiger bedeutender Feudalherren herum Handels- und Handwerkervierel entstanden.

OFF:

Kaufleute aus aller Welt kamen nach Ukek, vermehrten den Wohlstand der Stadt und ihre Ruhm. Immer reicher wurden die Bewohner von Ukek und verbreiteten die Kaufleute den guten Ruf der Stadt über weite Länder.

Aleksej Malyschew:

Der Wohlstand der Stadt war, zum einen, auf dem Vorhandensein zweier besonders wichtigen Handelswege gegründet, die Stadt lag eigentlich an der Kreuzung der Handelswege. Der erste heißt der große Wolgaer Handelsweg, der den Norden Europas mit der Rus, Wolgabulgarien, der Goldenen Horde, den Kaspiländern sowie mit Transkaukasien, Iran und Mittelasien  verbunden hatte. Die Übersetzstelle bei Ukek ist ein Beweis dafür, dass sich hier, zum anderen, der nördliche Zweig der Seidenstraße erstreckte, auf der die Waren von Ost nach West gelangten: vom Fernen Osten, aus Mittelasien in Richtung Krim, nördlicher Teil des Schwarzen Meeres und Konstantinopel. 

Dmitrij Kubankin:

Materialien aus den Ausgrabungen zeigen uns, dass in Ukek des 13.-14. Jahrhunderts reger Handel getrieben wurde. Wir finden hier Gegenstände, die auf einem großen Territorium von China bis Europa hergestellt wurden. Interessante Fundsachen aus einem Kellerraum sind Beweise dafür. So gibt es, z.B., eine Unmenge von Geschirr aus Iran. Nach der Tradition der Handwerker aus Iran und aus Byzanz beginnt die Herstellung von Geschirr auch in der Goldenen Horde.

OFF:

Da brach ein großes Unglück über das ruhmreiche Ukek herein… Es brannten  Scheiterhaufen, ertönten Flehen und gramvolles Geschrei… Die Menschen flohen aus der Stadt, den Himmel um Hilfe flehend…

Dmitrij Kubankin:

Die Geschichte von Ukek ist voll von Rätseln und Geheimnissen. Die zentrale Frage betrifft den Untergang der Stadt. Der einen Version nach ging die Stadt infolge eines Erdrutsches unter, der anderen Annahme nach – einer Gasexplosion. Unsere Meinung ist, die Stadt haben 20 Jahre Bürgerkrieg vernichtet, der zur Abschwächung des Staates geführt hatte, sowie die Eroberung durch Tamerlan. Diese Episoden sind sehr gut in der Kulturschicht der Stadt wiedergespiegelt. So, sehen Sie diese kleine Scherbe von der Brandstätte: so wie dieses kleine Fragment, ging die ganze Stad Ukek in Flammen unter.

Aleksej Malyschew:

Die Ursachen des Untergangs der Stadt Uwek sind noch nicht ausreichend geklärt. Es gibt dafür einen ganzen Komplex der historischen Ursachen und Umstände. Im Großen und Ganzen – und das betrifft auch andere Städte der Goldenen Horde – ist hier Folgendes zu nennen: Mitte des 14. Jahrhunderts brachen hier zwei Epidemien der „Großen Pest“ aus. Der schwarze Tod vernichtete die Bevölkerung der Städte, das hatte eine gewisse Stagnation des städtischen wirtschaftlichen Lebens zur Folge. Das war aber nicht die Hauptursache der Zerstörung. Um diese Zeit begann im Land die sogenannte „Zamjatnja“[1]-Periode: die Zeit des Bürgerkrieges und inneren Streites. Die Gens der mongolischen Khane, deren Khanat Ulus Jochi („Volk Jochis“) hieß, wurden immer größer. Man beanspruchte die Macht in der Goldenen Horde und es beginnt ein erbitterter Kampf unter den Prinzen um den Sarai-Thron.

OFF:

Ruhmvoll war die Stadt Ukek, ruhmvoll und groß. Und wärmte die Stadt die hohe Sonne, und wurde sie von schnellen Strömen umspült. Und beschützten sie die furchtgebietenden Horden. Es gibt aber diese Stadt nicht mehr sowie ihre Einwohner. Es blieb nur der Himmel: das ewige blaue Firmament.



[1] Vom russ. „замять“ = zerdrücken


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